Schulgeschichte
In Crandorf muß es schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts schulische Unterweisungen und Übungen gegeben haben.Datiert mit "1663", findet sich eine "Acte den Schulmeister zu Grünstädtel und die beiden Schulhalter zu Pöhla und Crandorf und was dem mehr anhängig betreffend". Darin beklagt sich der Schulmeister der Grünstädtler "Ordinar-Schule" beim Annaberger Superintendenten darüber, daß die Crandorfer "Winkelschule" und ihr Schulhalter Jacob Korb die Knaben vom Besuch der "ordentlichen" Schule beim Kirchenspiel in Grünstädtel fernhielten.Wie übrigens auch die Pöhlaer mit ihrem Schulhalter Jacob Auerbach.Eine erneute Beschwerde dieser Art gab es dann nochmals im Jahre 1679 ( 1)Nach der Fertigstellung des Baus der eigenen Kirche im Jahr 1712 erwarben die Crandorfer auch das Recht auf die Einrichtung einer "Ordinar - Schule". In der Folge kam aus Blauenthal ein Johann Benjamin Lang als erster Schulmeister ins Dorf.Die Schule war eingerichtet in einem Raum in dem Haus unmittelbar neben der Kirche. (jetzt Haus Lang, Egbert) Aus der Amtszeit dieses Schulmeisters, der der erste in Crandorf gewesen, liest man immer wieder die große Not und Sorge, die er hatte, um seine Familie mit dem kärgliche Einkommen zu ernähren. Im Jahr 1758 starb Johann Benjamin Lang. Sein Nachfolger wurde ein gewisser Christian Gottlob Haße bis zum Jahr 1772, wo er wahrscheinlich versetzt wurde.
Hierauf folgte bis 1797 Josef Kempter und von 1797 bis 1814 Hermann Christian Conrad Haße.( 2) Aus dem Jahre 1799 berichten die Akten zum ersten Male, daß der Raum im Schulhause infolge der immer mehr zunehmenden Kinderzahl nicht mehr zureichte. Zunächst wollte man das alte Schulhaus erweitern, bzw. im Innern bauliche Veränderungen vornehmen, um noch eine Schulstube zu gewinnen. Da nun aber, in der Blütezeit des Bergbaus am Rothenberg und Erla-Hammers mit seinen industriellen Einrichtungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die Zahl der schulpflichtigen Kinder immer mehr zunahm, mußte man sich auf Vorschlag der obersten Schulbehörde zu einem Neubau entschließen.Die obwohl die Gemeinde in ihrer bestehenden Armut fast nicht dazu in der Lage war.Nach langen Verhandlungen und mehreren vorgelegten Kostenanschlägen erbaute man unmitelbar neben dem alten Schulgebäude die neue Schule. (jetzt Haus Blechschmidt Henry/Jens) Heute noch wird das Gebäude von älteren Einwohnern "alte Schule" genannt. Das alte Schulgebäude wurde an den Steiger Christian Heinrich Kästner verkauft. Es konnten nun mehr Kinder in einem größeren Raum untergebracht werden. Unterrichtet wurden sie von einem Schulmeister. Auch dieser Schulmeister fand mit seiner Familie in dem Neubau Unterkunft. Als solcher fungierte bis zum Jahre 1826 August Gottlieb Heppich ( 1 & 2)
Auszüge aus dem Protokollbuch über die Gemeindeverordnetensitzungen der Gemeinde Crandorf vom 4. März 1839 bis zum 10. Mai 1886 :
25.11.1845
An der hissigen Ortsschule amtiert nur ein Lehrer, der Schulmeister Ludwig Fiedler.In der Schulvorstandssitzung wurde von diesem der Antrag zur Einstellung eines Hilfslehrers gestellt. Auf Grund der Schwierigkeiten und in Ansehung der Kosten, welche von den größtenteils armen hiesigen Einwohnern schwer aufzubringen sein dürften, ersuchte man Schulmeister Fiedler, daß er in Berücksichtigung der hierorts herrschenden Armut gegen eine ihm zu gewährende Gehaltserhöhung von jährlich 30 Talern, den Unterricht an hiesiger Schule auch ohne Zuziehung eines Hilfslehrers zu erteilen. Ihm sollen wöchentlich nur noch 6 Pfennig, anstatt wie bisher 1 Groschen und 2 Pfennig Almosenbeitrag angerechnet werden und außerdem die von ihm die Schule besuchenden Kinder schulgeldfrei sein. F.erklärte sich durch eigenhändige Unterschrift im Protkoll mit diesem Beschluß einverstanden.
20.09.1852
"Schullehrer Ludwig Fiedler, einziger Lehrer der Schule zu Crandorf verstarb am 16.09.1852. Auf Grund der dadurch erledigten Lehrerstelle beschloß man bei der königlichen Schulinspektion ein Gesuch zur Befürwortung bei der "Höheren"und "Hohen Behörde" einzureichen, daß künftig bei der hiesigen Schule wegen der hier herrschenden großen Armut bezüglich der Aufbringung der Schulgelder nur 1 Lehrer, d.h. mit Wegfall eines Hilfs- oder zweiten ständigen Lehrers bei der ohnehin doch noch nicht zu bedeutenden Schulkinderzahl von ungefähr 180 ! sowie bei dem eben nicht zuviel Zeit raubenden Kirchendienst eingestellt werde.
05.05.1853
"Seit 17.09.1852 wirkt an hiesiger Schule als Schulvicar Carl Ludwig Fiedler, anscheinend der Sohn des verstorbenen Lehrers Ludwig Fiedler." 1870 gab es in Crandorf 234 Schulkinder in drei Klassen. Es durfte nun ein Hilfslehrer eingestellt werden, und es konnte ein zweites Klassenzimmer eingerichtet werden. Allein im Jahre 1877 wurden in Crandorf 55 Kinder geboren ( 1) Der Schulraum reichte jetzt ebenfalls nicht mehr aus und man war gezwungen andere Räumlichkeiten für die Schule zu schaffen. Deshalb erwarb man 1870 das Haus Nr. 23 (jetziges Wohnhaus Giesa Andreas). Durch Umbau wurde im Parterre ein größeres Schulzimmer geschaffen. An einem Montag im April des Jahres 1872 wurde die neue Schule in einfacher Weise geweiht und gleichzeitig der neue Hilfslehrer Emil Seidel in sein Amt eingewiesen unter Beteiligung des gesamten Gemeinderates und der Schuljugend. Am 08.11.1872 wurde an Stelle des in Pension gegangenen Kirchschullehrers Leipold, Herr Lehrer Karl Friedrich Rudolf Kunzmann - bisher in Pöhla - gewählt. unter seiner Amtsführung war noch ein gewisser Clauß als Hilfslehrer hier tätig.Leider konnte in den Akten nichts darüber gefunden werden, wann die Schulstube in der 2. Schule aufgegeben wurde und man in der 1. Schule (alte Kirchschule) 2 Zimmer für Unterrichtszwecke eingerichtet hat.( 1) Im Jahre 1880 wurde eine Volksbücherei gegründet. Der erste Archivar bzw. Bibliothekar war der Kirchschullehrer Kunzmann.( 3) Da die Schulkinderzahl immer mehr anwuchs, wurde die damalige Bezirksschulinspektion beim Schulvorstand vorstellig, damit dem Raummangel und weiteren vorhandenen Mißständen im alten Schulgebäude abgeholfen werden soll. Das war im Jahre 1906.Die Volksschule in Crandorf wurde in dieser Zeit von 272 Kindern besucht. Die Gemeinde entschloß sich daher, zunächst einen Erweiterungsbau vorzunehmen, zumal für einen Schulneubau auch die nötigen Mittel fehlten. Auf Grund eines Berichtes des damaligen Bezirksarztes lehnte die Schulbehörde diesen Erweiterungsbau ab, da er keine wesentliche Verbesserung bezüglich der räumlichen und sonstigen Verhältnisse der Crandorfer Schule brachte. Die Gemeinde mußte sich doch noch zu einem Neubau entschließen.
Zunächst erwirkte man die Erlaubnis, das Projekt auf einige Jahre zu verschieben, damit die nötigen Mittel erst flüssig gemacht würden. Vorsorglich sah man sich aber gleich nach einem geeigneten Grundstück, bzw. Bauplatz um.Am 15.07.1907 erwarb man zu diesem Zwecke das der Kirche gegenüberliegende Grundstück zum Preis von 6.000 Mark.Das auf diesem Grundstück stehende Gut brannte später ab.Seit dieser Zeit entspann sich nun ein reger Briefwechsel zwischen dem hiesigen Schulvorstand und der Bezirksschulinspektion Schwarzenberg, der darauf hinausging, daß der Schulhausneubau baldigst in Angriff genommen werden sollte. Nachdem die Finanzierung des Projektes vollständig geklärt war, konnte man im Frühjahr 1910 den Bau zur Ausschreibung geben. Die Gesamtkosten für den Neubau der Schule stellten sich auf 63.000 Mk. Davon wurden 45.000 Mk durch ein Darlehen von der Landesversicherungsanstalt Sachsen aufgebracht. Die übrigen Gelder stellten sich zusammen aus der erhaltenen Brandkasse vom abgebrannten Gebäude in Höhe von 7.280 Mk, einem Darlehen von der Sparkasse in Schwarzenberg in Höhe von 3.000 Mk, aus freiwilligen Gaben und restlichen Zahlungen, welche die Gemeinde selbst aufbringen mußte. Die Bauleitung übergab man dem Architekten Otto Jurig in Leipzig, während die Bauausführung dem Baumeister Arno Herold in Lauter übertragen wurde.
Am 27. September 1910 konnte man die Weihe des schmucken neuen Schulgebäudes in Gegenwart des Amtshauptmanns Demmering und Bezirksschulinspektors Dr. Wildfeuer in feierlicher Weise begehen. Nach einem Festumzug durch den Ort fand anschließend ein Schulfest statt, das die ganze Gemeinde mit ihrer Jugend in fröhlicher Stimmung zusammenhielt. Am 25. Juli 1924 wurde der Eisengießer P.Schenk hier zum Schulhausmann und Wegewärter gewählt.Mit Wirkung vom 1. Juni 1925 wird der selbstständige Gutsbezirk Erla mit der Gemeinde Crandorf zwangsweise vereinigt. Die Gemeinde führt nach der Einverleibung des Gutsbezirkes nun den Namen „Erla“. Die Crandorfer Volksschule heißt nun Volksschule Erla. ( 1) Die Standesamtsgeschäfte wurden für die Einwohner vom ehemaligen Gutsbezirk Erla solange noch durch das Standesamt Schwarzenberg ausgeführt, bis sie ab 1.Januar 1926 Erla zu dem eigenen Standesamtsbezirk Crandorf hinzugeschlagen wurde. Nach der Eingemeindung änderte sich vorläufig nichts an den schulischen und kirchlichen Verhältnissen von Erla (Schule im Bermsgrün, Kirche in Schwarzenberg). ( 3)1932 entschied das Ministerium, daß ab 1. April 1932 sämtliche Kinder unserer Gemeinde – also auch des ehemaligen Gutsbezirkes Erla – die Ortsschule in Crandorf besuchen müßten. Durch einen Zuwachs von etwa 80 Kindern wurde die Schule 7-stufig. Als damals noch nicht ständiger Lehrer an der Crandorfer Schule wurde Johannes Weigel vom damaligen Bezirksschulrat gebeten die Vertretung für den erkrankten Herrn Kantor und Oberlehrer Unger zu übernehmen und den Religionsunterricht zu betreuen.( 1) In den Jahren 1923 bis 1933 entwickelte sich unter der Leitung des Lehrers Karl Nestler die Crandorfer Schule zu einer Stätte erfolgreicher Praxis und interessanter Versuche der deutschen Schulreformbewegung in Verbindung mit dem Arbeitsleben des Dorfes.
WIRD FORTGESETZT
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